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Angehörigenbriefe: „Was hab’ ich?“ stellt am Uniklinikum Dresden erstmals automatisiert persönliche Briefe für Angehörige beatmeter Patient:innen zur Verfügung

Wenn ein Familienmitglied beatmet auf der Intensivstation liegt, ist das für Angehörige eine enorme Belastung. Zur Sorge um den Betroffenen kommt eine fremde Umgebung voller Geräte, Schläuche und Alarmtöne.

„Was hab'​ ich?“ hat jetzt im EU-geförderten Forschungsprojekt IntelliLung eine Software zur automatisierten Erstellung von Angehörigenbriefen entwickelt. Diese wird bereits am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden eingesetzt. Mehr als 70 Angehörige haben bislang einen Brief erhalten.

Die Angehörigenbriefe erklären in Alltagssprache, welche Maßnahmen bei den beatmeten Patient:innen zum Einsatz kommen, welche Geräte am Bett stehen und was Alarmsignale bedeuten. Dazu wird auf wichtige Anlaufstellen hingewiesen.

Mit den Angehörigenbriefen können wir nach unseren Patientenbriefen nun eine weitere große Zielgruppe, die von verständlichen Informationen profitiert, erreichen. Die ersten Rückmeldungen zu den Angehörigenbriefen sind bereits sehr positiv.

Anbei finden Sie unsere Pressemitteilung. Auf unserer Website erhalten Sie Fotos, die Sie gern unter Hinweis auf den Fotografen verwenden können.


Angehörigenbriefe: „Was hab’ ich?“ stellt am Uniklinikum Dresden erstmals automatisiert persönliche Briefe für Angehörige beatmeter Patient:innen zur Verfügung

Dresden, 15.10.2026 – Im EU-geförderten Forschungsprojekt IntelliLung hat die gemeinnützige Organisation „Was hab’ ich?” eine Software zur Erstellung von Briefen für Angehörige beatmeter Patient:innen auf der Intensivstation entwickelt. Erstmals können damit voll automatisiert leicht verständliche Informationen zum Aufenthalt auf der Intensivstation direkt für die Zielgruppe der nächsten Verwandten erstellt werden. Die Angehörigenbriefe sind seit Anfang 2026 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden im Einsatz.

Liegt ein Familienmitglied auf der Intensivstation, ist das für Angehörige eine enorme Belastung. Zur Sorge um den Betroffenen kommt eine fremde Umgebung voller Geräte, Schläuche und Alarmtöne. Gleichzeitig bleibt dem medizinischen Personal im Klinikalltag wenig Zeit, um alles in Ruhe zu erklären. Oft werden Informationen in der Aufregung missverstanden oder wieder vergessen. Im europäischen Forschungsprojekt IntelliLung werden nun erstmals Angehörigenbriefe erstellt, die in Alltagssprache individuelle Informationen zur intensivmedizinischen Behandlung des erkrankten Familienmitglieds vermitteln.

Seit Beginn des Jahres haben an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden bereits über 70 Angehörige von Intensivpatient:innen einen Brief erhalten. Die ersten mündlichen Rückmeldungen sind sehr positiv. Eine begleitende Untersuchung mittels Fragebögen evaluiert die Rezeption und Wirkung der Angehörigenbriefe. Ergebnisse der Evaluation werden bis Ende 2027 vorliegen.

Die Briefe entstehen automatisiert auf Grundlage von Routinedaten, die ohnehin strukturiert erfasst werden. Die behandelnden Ärzt:innen können sich so auf Knopfdruck einen Brief mit tagesaktuellen Daten des Erkrankten erstellen lassen und im Gespräch mit den Angehörigen überreichen. Der Brief erläutert verständlich, welche Maßnahmen bei ihrem Familienmitglied zum Einsatz kommen und wie diese funktionieren. So werden etwa die künstliche Beatmung, eine fortlaufende Blutdruckmessung, eine Blutreinigung oder künstliche Ernährung erklärt. Eine dynamisch adaptierte Übersichtsgrafik zeigt die wichtigsten Geräte am Patientenbett auf einen Blick. Laiengerechte Hintergrundinformationen zu Organfunktionen und Vorgängen im Körper unterstützen das Verständnis. Ergänzt wird der Brief durch Erläuterungen zum Team der Intensivstation, zur Bedeutung von Alarmsignalen sowie durch Kontaktdaten wichtiger Anlaufstellen wie Sozialdienst, Patientenberatung oder Krisentelefone.

„Angehörige sind durch die ungewohnte Umgebung der Intensivstation oft stark verunsichert und haben viele Fragen. Der Brief soll sie entlasten und ihnen helfen, gezielter mit Ärzt:innen und Pflegekräften ins Gespräch zu kommen. Aus unserer langjährigen Arbeit und Forschung wissen wir, wie sehr Patientenbriefe den Betroffenen selbst helfen. Wir sind überzeugt davon, dass Angehörige ebenso von verständlichen Informationen profitieren“ , erklärt Rebekka Post, Ärztin und Projektleiterin für IntelliLung bei „Was hab’ ich?”.

Dr. Jakob Wittenstein, wissenschaftlicher Koordinator der IntelliLung-Studie am Uniklinikum Dresden, ergänzt: „Im IntelliLung-Projekt erforschen wir, wie künstliche Intelligenz Ärzt:innen dabei unterstützen kann, eine invasive Beatmung optimal an die jeweilige Situation von Patient:innen anzupassen. Neben moderner, leistungsfähiger Technik sind und bleiben jedoch menschliche Entscheidungen essenziell für die bestmögliche Behandlung von schwer kranken Patient:innen. Da den Angehörigen oft eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung zukommt, ist eine transparente und verständliche Aufklärung unerlässlich. Die Angehörigenbriefe leisten hierzu einen wertvollen Beitrag.“

Über IntelliLung
Die künstliche Beatmung ist eine der wichtigsten und oft lebensrettenden Therapien auf der Intensivstation, kann bei ungünstigen Einstellungen aber selbst die Lunge schädigen. Im EU-geförderten Projekt „Intelligent Lung Support for Mechanically Ventilated Patients in the Intensive Care Unit (IntelliLung)“ im Rahmen von EU HORIZON-HLTH- 2021 entwickelt und validiert ein internationales Konsortium aus Kliniken, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein KI-gestütztes Entscheidungsunterstützungssystem, das medizinisches Personal bei einer lungenschonenden Beatmung unterstützen soll. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Kommunikation: Patient:innen und Angehörige sollen im Behandlungsprozess, zur Studienteilnahme und auch nach Entlassung bestmöglich informiert werden. Neben den Angehörigenbriefen gehören dazu unter anderem automatisierte Patientenbriefe und eigens entwickelte Informationsbroschüren in vier Sprachen. Das Projekt IntelliLung ist die erste von der Technischen Universität Dresden koordinierte klinische Studie, für die die Europäische Union Fördermittel bewilligt hat.

Weitere Informationen: https://intellilung-project.eu